Proteste in Tuzla, Februar 2014

Liebe Freunde in der Schweiz

In Tuzla sind seit einiger Zeit jeden Mittwoch vor dem kantonalen Regierungsgebäude Proteste, an denen ehemalige Arbeiter der geschlossenen Firmen/Fabriken teilnehmen, aber sie wurden von den Vertretern der Regierung weder ernst genommen, noch wurden sie zu einem Gespräch eingeladen. Am letzten Mittwoch haben sich Jugendliche über die virtuellen Netzwerke organisiert und kamen, um die oben genannte Gruppe zu unterstützen. Da die Gruppe an Stärke gewonnen hatte, forderte sie, dass jemand von der kantonalen Regierung mit ihr spricht und hat bei dieser Gelegenheit angekündigt, dass die Proteste weitergeführt werden so lange sich niemand meldet der mit der Gruppe einen Dialog führt. Die Vertreter der Regierung reagierten darauf so, dass sie für Donnerstag polizeiliche Unterstützung und Schutz forderten.

Spezialeinheiten in Uniform, mit Panzern und Masken hatten den Auftrag, die Demonstranten zu verjagen. Die Polizei ging mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor und schoss mit gummiummantelten Stahlgeschossen in die Menge, was allerdings dazu führte, dass die Masse wütend wurde und das Gebäude der kantonalen Regierung in Tuzla mit Steinen beworfen wurde. Sie haben auch die Polizisten mit Steinen beworfen und kündigten an, dass die Proteste weitergeführt werden, bis die kantonale Regierung zurücktritt. Das Benehmen der Regierung und der Polizei hat grosse Reaktion bei der Opposition, den NGOs und den Demonstranten hervorgerufen.

Am Freitag wurden in ganz Bosnien und Herzegowina Massenproteste organisiert. Am Anfang wurden die Proteste organisiert, um Tuzla zu unterstützen, aber bald hat man festgestellt, dass auch an anderen Orten die gleiche Situation ist. Das Resultat der Proteste war, dass Fensterscheiben eingeschlagen und mehrere Gebäude der kantonalen Regierungen, der Gemeinden und der Justiz in Brand gesteckt wurden.

In Tuzla ist das Gebäude der kantonalen Regierung abgebrannt, das Gebäude der Gemeinde Tuzla wurde in Brand gesteckt. Das Gerichtsgebäude wurde mit Steinen beworfen. Es ist interessant, dass keine anderen Gebäude mit Steinen beworfen und auch nicht beschädigt wurden. Erst nach den Bränden haben die Vertreter der kantonalen Regierung reagiert. An dem Tag ist die Regierung des Kantons Tuzla, des Kantons Zenica und des Kantons Sarajevo zurückgetreten. Wegen Vandalismus wurden einige der Demonstranten festgenommen, hauptsächlich Jugendliche und die Organisatoren der Proteste. Es gab zahlreiche Verletzte aber keine Schwerverletze oder Todesfälle.

Jetzige Situation in Tuzla:

Die Demonstranten führen die Proteste weiter. Sie versammeln sich weiterhin vor dem Regierungsgebäude. Am Samstag waren sie auch anwesend, haben aber die Öffentlichkeit aufgerufen, bei der Reinigungsaktion nach dem Brand teilzunehmen. Jetzt haben die Demonstranten ihre Forderungen klar definiert, organisieren Dialoge mit dem kantonalen Parlament und führen öffentliche Debatten mit Experten und formellen und informellen Gruppen der Bürger. Unter anderem wird auch gefordert, dass die neue Regierung von Experten zusammengestellt wird, die nicht politisch bestimmt sind. In Sarajevo und anderen Städten in Bosnien werden die Proteste weitergeführt, weil gefordert wird, dass die föderale Regierung sowie die kantonale Regierung im Una-Sana Kanton (Hauptstadt Bihac). zurücktritt.

Ich bin der Meinung, dass diese Ereignisse sehr wichtig sind für die Zukunft von Bosnien und Herzegowina. Es ist schade, dass die Gebäude in Brand gesteckt wurden, aber mit ruhigen Protesten wurde bisher nichts erreicht, sie wurden nicht wahrgenommen und überhaupt nicht ernst genommen.

Alle Bürger in Bosnien sind einerseits froh über das Geschehene, andererseits auch besorgt. Wir  werden sehen wie sich das weiter entwickelt.

Es ist Wochenanfang und wir werden weitere Informationen haben.

Gruss

Tuzla, 10. Februar 2014

Džemila

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